Die Vogelkoje, eine historische Entenfanganlage auf Amrum

Die Vogelkoje auf Amrum war früher eine Fanganlage für ziehende Wildenten. Heute ist die Vogelkoje ein beliebtes Ausflugsziel mit einem Kiosk, Sitzbänken, einem Kinderspielplatz und einem Damwild-Gehege. Die Vogelkoje ist mit dem Fahrrad von Nebel oder Norddorf aus auf schönen Waldwegen erreichbar. An der Verbindungsstraße zwischen Nebel und Norddorf gibt es eine Bedarfshaltestelle für den Inselbus. Von dort führt ein beschilderter Verbindungsweg durch den Wald zur Vogelkoje. 2011 wurde an der Vogelkoje ein neuer Bohlenweg angelegt und der Naturerlebnisraum "Vogelkoje Meeram" eingeweiht.

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Der 2014 neu gestaltete Eingangsbereich zur Vogelkoje

Geschichte der Vogelkoje

Im Herbst fliegen jährlich tausende Enten entlang der Nordsee-Küsten in die Winterquartiere. Um Wildenten fangen zu können, wurden Vogelkojen als Fanganlagen zuerst in Holland gebaut. Auf Amrum entschloss sich eine Interessengemeinschaft 1866 zum Bau einer Vogelkoje und erhielt die Konzession von der damals noch amtierenden dänischen Verwaltung. Von 1866 bis 1935 wurden auf Amrum rund 420 000 Enten gefangen, in einem erfolgreichen Jahr über 10.000 Wildenten. Davon waren 90% Spießenten.
In Nebel auf Amrum entstand 1896 eine Konservenfabrik zur Verarbeitung der Enten. Die in Konservendosen eingemachten Wildenten wurden an die damals entstehenden Touristenhotels verkauft oder versandt. Anfang der 1930 er Jahre ging die Zahl der Enten im Wattenmeer massiv zurück. Als Ursache wird der Rückgang der Seegraswiesen bei Sylt und Föhr vermutet. Die Amrumer Konservenfabrik wurde 1930 geschlossen. Die Fänge an Enten lohnten sich nicht mehr und der Betrieb der Vogelkoje wurde 1936 eingestellt. 1952 übernahmen die Gemeinden Nebel und Norddorf die Vogelkoje mit dem Ziel, sie als Anschauungsobjekt auszugestalten.

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Der von Bäumen umgebene Süßwasserteich der Vogelkoje zum Anlocken der Wildenten

Das Fangsystem der Vogelkoje

Enten brauchen bei Ihrem Flug in die Winterquartiere immer wieder Ruhepausen. Um die ziehenden Wildenten zu fangen, wurden in Form von sogenannten Vogelkojen für Enten attraktive geschützte Rastplätze gebaut. Die Vogelkoje war mit Bäumen umsäumt und verleiteten die Wildenten dazu, auf dem Teich zu landen. Am Nachmittag kamen die Enten aus dem Wattenmeer in die Vogelkoje, wo sie Ruhe und Süßwasser vorfanden. Die Vogelkoje bestand aus einem künstlichen Teich vor ca.40 x 40 m. Im Teich selber wurden gezähmte Enten gehalten, sie sollten die wilden Enten in den Teich locken.

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Erläuterung des Fangsystems der Vogelkoje auf Amrum

Auf einer Übersichtstafel am Eingang zur Vogelkoje ist das Fangsystem dargestellt. Von dem Süßwasserteich gehen in in den Ecken 4 Fangkanäle aus, die sogenannten "Fangpfeifen".  Die Fangpfeifen sind reussenartige Gebilde die in einen Fangkorb enden. Sie waren mit Netzen allseitig umspannt, jedoch zum Teich hin offen. Jede Pfeife ist leicht gekrümmt, um den Wildenten die Scheu vor der Enge zu nehmen. Entlang den Pfeifen sind Schilfkulissen aufgebaut, damit sich der Kojenmann ungesehen nähern kann. Zum Fang wurde jeweils der Windrichtung entsprechend die Pfeife benutzt, aus die der Wind herauswehte.
Im Sommer wurde die Vogelkoje vorbereitet damit Ende August mit dem Entenfang begonnen werden konnte. Die zu Beginn der Saison gefangenen Lockenten wurden regelmäßig in den Pfeifen gefüttert. Die nach und nach eintreffenden Zugvögel machten es den Lockenten nach und schwammen zum Fressen in die Pfeifen.

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Die Fangpfeifen der Vogelkoje sind reussenartige Gebilde die in einen Fangkorb enden.

Die Lockenten, die gewohnt waren, an dieser Stelle gefüttert zu werden, zogen die auf dem Teich versammelten Wildenten mit in die Pfeife wo es Futter gab. Die Pfeifen endeten in Reusen in denen die Enten gefangen wurden. Hier wurden die Enten ergriffen und "gegringelt". Dabei wurde nach dem Griff am Hals der Körper umgedreht, so dass  das Genick brach und die Enten sofort tot waren.

Der Kojenmann

Für die Vogelkoje zuständig war der Kojenmann. Im "Vogelkojenwärterhäuschen", das seit 2014 auch im Inneren dem ursprünglichen Zustand nachempfunden ist, ist eine Ausstellung über das Leben und die Behausung des Kojenwärters zu sehen. Seine Aufgabe war die Instandhaltung der Vogelkoje, die Vorbereitung des Fangs und die Fütterung der Lockenten kümmern. In der Fangsaison musste er täglich die Enten in den Reusen scheuchen, die Reusen zu leeren, die gefangenen Enten zu zählen, die toten Enten an die Anteilseigner der Vogelkoje abliefern und die Einnahmen und Ausgaben der Vogelkoje abzurechnen.

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Die Behausung des Kojenmanns am Eingang zur Vogelkoje

In der Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf ist der Betrieb der Vogelkoje mit Anschauungsobjekten, Fotos und Tafeln beschrieben. Ein Besuch der Ausstellung ist unbedingt empfehlenswert. Auf den historische Aufnahmen aus der Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf ist das Fangen und die Verarbeitung der Enten dargestellt:. Zur Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf gibt es auch ein Buch von Martin Rheinheimer "Der Kojenmann" (Der Kojenmann: Mensch und Natur im Wattenmeer 1860-1900 von Martin Rheinheimer, April 2007).

Bilder-Galerie von der Vogelkoje auf Amrum

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