Die Vogelkoje, eine historische Entenfanganlage auf Amrum

Die Vogelkoje auf Amrum war früher eine Fanganlage für ziehende Wildenten. Heute ist die Vogelkoje ein beliebtes Ausflugsziel mit Sitzbänken, einem Kinderspielplatz und einem Damwild-Gehege. Die Vogelkoje ist mit dem Fahrrad von Nebel oder Norddorf auf schönen Waldwegen erreichbar.

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Der 2014 neu gestaltete Eingangsbereich zur Vogelkoje

Die Idee zur Anlage einer Vogelkoje stammt aus Holland und seit 1730 wurde der Entenfang auch auf den Nordfriesischen Inseln betrieben. Auf Amrum baute eine Interessengemeinschaft 1866 eine Vogelkoje und erhielt die Erlaubnis für den Betrieb von der damaligen amtierenden dänischen Verwaltung. 1935 wurde der Entenfang in der Vogelkoje Amrum jedoch eingestellt. 1952 übernahmen die Gemeinden Norddorf und Nebel die Vogelkoje, um sie als Anschauungsobjekt auszugestalten. Im Jahr 2011 wurde an der Vogelkoje ein neuer Bohlenweg angelegt und der Naturerlebnisraum "Vogelkoje Meeram" eingeweiht.

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Das renovierte "Vogelkojenwärterhäuschen" mit einer Ausstellung über das Leben und die Behausung des Kojenwärters

Auf einer Übersichtstafel am Eingang zur Vogelkoje ist das Fangsystem dargestellt: Vom Kojenteich (A) zweigten bogenförmige Seitenkanäle, sogenannte "Pfeifen" (B) ab. Sie waren mit Netzen allseitig umspannt, jedoch zum Teich hin offen. Zum Fang wurde jeweils der Windrichtung entsprechend die Pfeife benutzt, aus die der Wind herauswehte. Der Kojenmann schlich auf Pirschwegen (F) zum Eingang der Pfeife und streute leicht schwimmendes Futter in das Wasser. Sogenannte "Lockenten", die gewohnt waren, an dieser Stelle gefüttert zu werden, schwammen herbei und zogen die auf dem Teich versammelten Wildenten mit.

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Das Fangsystem der ehemaligen Vogelkoje

Dann scheuchte der Kojenmann, der sich bisher hinter Schilfkulissen versteckte, die Enten an das Ende des Fangkanals, wo sich eine Reusenanlage befand (C). Hier wurden die Enten ergriffen und "gegringelt". Die Brücke über den breiten Graben (H) war während der Fangzeit von Anfang September bis Dezember hochgezogen, so dass niemand unbefugt in die Koje eindringen konnte. Von 1866 bis 1935 wurden 420.000 Enten gefangen. Gefangen wurden vor allem Spießenten, Pfeif- und Krickenten. In Nebel entstand 1896 eine Konservenfabrik, in der die gefangenen Wildenten verarbeitet, eingemacht und versandt wurden.

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Eine der vier "Pfeifen", die vom Kojenteich abzweigen

Ein Besuch der Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf ist unbedingt empfehlenswert. In der Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf ist der Betrieb der Vogelkoje mit Anschauungsobjekten, Fotos und Tafeln beschrieben. Auf den historische Aufnahmen aus der Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf ist das Fangen und die Verarbeitung der Enten dargestellt:. Zur Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf gibt es auch ein Buch von Martin Rheinheimer "Der Kojenmann" (Der Kojenmann: Mensch und Natur im Wattenmeer 1860-1900 von Martin Rheinheimer, April 2007). .

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Ausstellung "Der Kojenmann" im Naturzentrum Norddorf

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Stand der Bearbeitung: 20. Oktober 2018