Landwirtschaft auf Amrum unter erschwerten Bedingungen
Existenzbedrohung durch die Massenvermehrung von Wildgänsen
Die Landbewirtschaftung auf Amrum existiert im Spannungsfeld von Naturschutz und Denkmalschutz. Es gibt auf der Insel nur noch einen Haupterwerbsbetrieb. Der Betrieb Martinen in Süddorf kämpft mit viel Engagement und couragiertem Handeln gegen immer neue Herausforderungen, um einen Interessenausgleich zu finden und um die Existenz des Betriebs langfristig zu sichern. Der sehr sympathische und willensstarke Jungbauer Oke Martinen versteht es in bemerkenswerter Art und Weise, auf die zunehmenden Probleme in der Landwirtschaft auf Amrum hinzuweisen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Seinem besonnenen fachlich fundierten und engagierten Auftreten in den sozialen Medien und in der örtlichen Medien ist es zu verdanken, dass jetzt auch die angesprochenen Probleme durch die Massenvermehrung von Wildgänsen öffentlich diskutiert werden. Durch seinen hartnäckigen und langjährigen Einsatz kommt die die Politik jetzt nicht mehr daran vorbei, Kompromisse zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu suchen und Lösungen zu finden um eine nachhaltige und zukunftssichere Landwirtschaft auf Amrum sicherzustellen.
Landwirtschaft auf Amrum: Blick vom Leuchtturm: In der Mitte des Bildes der Haupterwerbsbetrieb Martinen bei Süddorf mit seinen landwirtschaftlichen Flächen zwischen Süddorf und Steenodde (Foto: Andreas Dölz)
Warum braucht Amrum die Landwirtschaft auf der Insel?
Amrum braucht einen landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieb auf der Insel, auch zum Nutzen der vielen Urlauberinnen und Urlauber, die Wert legen auf regional erzeugte Produkte. Amrum braucht auch einen engagierten Landwirt wie Oke Martinen für Maßnahmen im Naturschutz, um mit extensiver Tierhaltung die Offenhaltung der Amrumer Kulturlandschaft sicherzustellen. <br>Mit seinen Jährlichen Hoffesten betreibt Oke Martinen und seine Familie transparente "Gläserne Produktion" und präsentiert auf sehr anschauliche Weise Interessierten Amrum-Urlaubern, wie Landwirtschaft am Amrum betrieben wird und mit welchen Problemen er zu kämpfen hat. Bei den Hoffesten gibt es viel zu entdecken. Die große Resonanz auf die Hoffeste auf dem Betrieb Martinen mit interessanten Betriebsführungen, über die regelmäßig auch in den Amrum News berichtet wird zeigt, dass Oke Martinen auf dem richtigen Weg ist. Mit dem Neubau eines Haus für seinen Hofladen hat Oke Martinen auch versucht, das Ortsbild von Süddorf aufzuwerten und für den Tourismus auf Amrum attraktiver zu machen, bedauerlicherweise bis jetzt ohne Erfolg. (Quellen dazu am Seitenende).
Heute gibt es auf Amrum nur noch einen landwirtschaftlicher Betrieb im Haupterwerb
Früher hat der Ackerbau als Einkommensquelle auf Amrum aufgrund des weniger fruchtbaren Sandbodens und der kleinen ackerbaufähigen Fläche nur eine geringere Bedeutung gehabt. Vor allem Süddorf war durch die Landwirtschaft geprägt, da der Ort früher im Vergleich zu Wittdün und Norddorf am wenigsten vom Tourismus profitierte. Für die Landwirtschaft auf Amrum stehen Ackerflächen und Wiesen östlich des Waldes sowie in den Marschgebieten zur Verfügung, teilweise auch auf Weideflächen am Rande der Salzwiesen. Bereits Um 1980 gab es auf Amrum weniger als zehn Landwirte. Heute wird auf Amrum Landwirtschaft im Haupterwerb nur noch von vom Betrieb Martinen in Süddorf betrieben (Hof Martinen). Die landwirtschaftlich genutzten Flächen sind heute für den Betrieb von entscheidender Bedeutung. Die Probleme in der Landwirtschaft haben sich verlagert. Durch die Massenvermehrung geschützter Wildgänse sind die Futtergrundlagen massiv bedroht (Quellen dazu am Seitenende).

Massenvermehrung von Wildgänsen hat existenzbedrohende Auswirkungen für den Betrieb Martinen
Wildgänse wie die Graugans haben sich in den letzten Jahren auf Amrum explosionsartig vermehrt. Dazu gehören in letzter Zeit auch die Nilgänse, die ursprünglich aus Afrika stammen. Während des Vogelzugs im Frühjahr und Herbst sind große Wildgänse-Schwärme über Amrum zu sehen. Für den Betrieb Martinen hat die Massenvermehrung von Wildgänsen existenzbedrohende Auswirkungen, da sie seine Futterflächen verwüsten und die Ackerkulturen schädigen. Es ist zunehmend nicht mehr möglich, genug Futter zu bergen, um den Tierbestand des Betriebs zu versorgen. Darüber hinaus werden durch die Invasion der Gänse heimischen Arten verdrängt und die Ausbreitung von Krankheiten begünstigt. Die Gänse schädigen durch ihren Fraß Felder und Wiesen massiv und führen durch den massenhaft hinterlassenen Kot zur Nitratbelastung der Gewässer. Durch die Ernteverluste werden aufgrund der hohen Frachtkosten teure Zukäufe von Futtermitteln erforderlich. Mit seiner Öffentlichkeitsarbeit weist Oke Martinen daher bereits seit Jahren darauf hin, dass die Existenz seines Betrieb durch die Gänse massiv gefährdet wird und fordert jetzt schnelle Lösungen von der Politik. Dazu gehören unkompliziert zu beantragende und einkömmliche Ausgleichszahlungen für die entstandenen Schäden und für Futterzukäufe sowie vermehrte Abschüsse und wirksame Vergrämungsverfahren (Quellen dazu am Seitenende).

Direktvermarktung mit eigenem Hofladen ist ein wichtiges Standbein für den Betrieb Martinen
In Süddorf betreibt die Familie Martinen einen Hofladen mit eigenen Produkten wie Kartoffeln, Freiland-Eiern, Rindfleisch u.a. In den letzten Jahren ist für die Direktvermarktung von Freilandeiern ein Hühnermobil dazugekommen. Geplant ist auch die Produktion von Masthähnchen. Neuerdings gibt es als besondere Spezialität auch Amrumer Wein von Amrums einzigem "Weinberg" in Zusammenarbeit mit dem Pfälzer Weingut Trenz. Auf dem Bauernmarkt an der Windmühle bei Nebel hat der Betrieb Martinen einen eigenen Stand neben anderen Landwirten aus Föhr. Dieser "Futtertrog" ergänzt auch sonst auf dem Betrieb Martinen mit wechselnder warme Küche und kleinen Snacks das Angebot des Hofladens.






Ein neues Haus für den Hofladen für die Direktvermarktung wäre ein großer Vorteil für den Betrieb Martinen und für Süddorf - wenn die Denkmalbehörde es nicht verboten hätte
Oke Martinen hat seit Jahren vergeblich darum gekämpft, ein Haus für seinen Hofladen bauen zu dürfen. Das Verwaltungsgericht Schleswig hat die Klage von Landwirt Oke Martinen aus Süddorf auf Amrum zur Erteilung einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung für einen Hofladen abgelehnt. Das Gericht stoppte das Vorhaben mit der Begründung, dass das beabsichtigte Neubau für den Hofladen angeblich nicht die Kriterien für Landwirtschaft erfüllt und das Vorhaben gegen die dörfliche Struktur in Süddorf mit den historischen "Uthlande-Friesenhäusern" verstößt. Das Vorhaben wäre mit einem Laden für den täglichen Bedarf eine Bereicherung für Süddorf gewesen und hätte Süddorf auch touristisch aufgewertet, da ein vergleichbares Angebot in Süddorf bisher fehlt (Quellen dazu am Seitenende).
Landbewirtschaftung auf Amrum: Alte "Uthlande" Friesenhäuser in Süddorf (Foto: Andreas Dölz)
Die um sich greifende und existenbedrohende Gänseplage bestimmt auch, was auf den Ackerflächen angebaut werden kann.
Durch die Massenvermehrung der Wildgänse sind nicht nur die Wiesen als Futterflächen betroffen. Die Wildgänse fallen von Herbst bis zum Frühjahr auch über die Getreideflächen her. Während der Bestockungsphase sind die Getreidearten unterschiedlich empfindlich gegenüber Gänsefraß. Während Winterhafer noch vergleichsweise robust ist, reagiert Winterweizen empfindlicher und Ertragseinbußen sind die Folge. Mais hat durch die Aussaat im Frühjahr erhebliche Vorteile. Der Betrieb Martinen baut daher vermehrt Körnermais an. Witterungsbedingt ist der Anbau von Körnermais auf Amrum allerdiings nur dann möglich, wenn der gedroschene Mais nach der Ernte auf dem Betrieb getrocknet wird (Quellen dazu am Seitenende).




Naturschutz in den Amrumer Dünen in Kooperation mit der Landwrtschaft
In einem aktuellen Naturschutzprojekt ist auch der Betrieb Martinenen eingebunden. Zu diesem Zweck sind Tiere einer besonderen Rinderrasse nach Amrum gekommen: Galloways sind kleinwüchsig und leichter als die heimischen Rinderrassen. Galloways sind eine hornlose Fleischrinderrasse und kommen ursprünglich aus Schottland. Sie sind daher gewohnt auch bei Wind und Wetter unter freiem Himmel zu leben. Sie benötigen keinen Stall und keinen Unterstand. Ihre vergleichsweise dicke Haut und ein Fell mit langem, gewelltem Deckhaar und feinem, dichtem Unterhaar machen sie für die ganzjährige Haltung im Freien besonders robust. Galloways sind ideal für die Landschaftspflege. Sie sind robust und friedlich eignen sich für die ganzjährige extensive Beweidung von Naturschutzflächen. Galloways halten Hecken, Sträucher und invasive Pflanzen kurz und fördern so die Biodiversität. Galloways sind eine nachhaltige Alternative zur maschinellen Lanschaftspflege.
Panorama: Das Projektgebiet für die Dünenpflege südlich des Leuchtturmss zwischen den beiden Campingplätzen
Das Projektgebiet umfasst mehrere Dünentäler, die von den Galloways offengehalten werden sollen.
Rinderhaltung an der Wattseite von Amrum bei den Salzwiesen (Video von 2007)
Auch in der Norddorfer Marsch wurde früher vermehrt Fleischrinder gehalten (Bilder dazu in der Bilder-Galerie). Die Massenvermehrung von Wildgänsen führt auch in der Norddorfer Marsch zu massiven Problemen.
Wattseite von Amrum: Mutterkuhhaltung bei den Salzwiesen (Videoauflösung: 540p (720x540, 30fps): Andreas Dölz)
Quellen zum Umgang des Betriebs Martinen mit der Gänseplage auf Amrum (externe Links)?
- shz: Landwirtschaft auf den Inseln Gänsefraß: Video eines verzweifelten Amrumer Landwirts über eine halbe Million mal aufgerufen;
- Schleswig-Holstein Magazin: Gänsefraß-Schäden in SH: Landwirte sind verärgert - hier anschauen;
- Insellandwirtschaft kämpft mit Gefahren aus der Luft - Bauernblatt Schleswig-Holstein;
- N.D.R. 08.06.2024 die nordstory: Amrum: Die Martinens aus Süddorf sind die letzten Ackerbauern auf Amrum. ;
- ARD-Mediathek: Landwirt Oke Martinen: Neue Projekte für Amrum;
- Daniel Günther will beim Gänsethema handeln Bauernverband Schleswig-Holstein ;
- Verkotung, gekippte Gewässer, Krankheiten: Landwirt verzweifelt an Futternot | agrarheute.com;
- Insel-Landwirt schlägt Alarm: Wir haben ein Gänsekot-Problem an der Nordsee! | MOPO.
- shz: Gänsefraß auf Amrum: Landwirt erreicht mit Video Politik in Kiel.
Quellen zum Naturschutzprojekt auf Amrum mit Galloways zur Dünenpflege (externe Links)?
- shz: Projekt auf Amrum gestartet: Galloways für Naturschutz im Einsatz;
- Naturschutz auf Amrum: Oke lässt seine Galloways endlich raus | Auf'm Land mit Oke | Folge 13 | NDR;
- Amrum News: Endlich! Beweidung der Dünen auf Amrum gestartet;
- Inselbauer Oke setzt sich für Naturschutz auf Amrum ein | Folge 10 | NDR auf'm Land mit Oke | NDR;
Quellen zum Verbot eine Neubaus eine Hofladens auf Amrum (externe Links)?
Galerie: Landwirtschaft auf Amrum (46 Bilder)
Über den Autor Andreas Dölz: Leidenschaftlicher Amrum-Liebhaber seit vielen Jahren mit eigenen Eindrücken, der seine Begeisterung für die Insel und Tipps zur Urlaubsgestaltung gerne an Andere weiter gibt, die sich für Amrum interessieren. Die Beschreibungen auf dieser Website beruhen auf eigenen Erfahrungen und Erlebnissen während mehrerer Amrum-Urlaube des Autors bis einschließlich 2018. Bei Fragen zum Thema gerne eine Nachricht an die Kontakt-Adresse. Über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen auf Amrum wird in den Amrum News berichtet. Die Rechte an den interaktiven höherauflösenden Panorama-Bildern, an den Videos und an den namentlich gekennzeichneten Bildern liegen beim Autor.
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