Sprechende Grabsteine auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche in Nebel auf Amrum

Die Sprechenden Grabsteine von Amrum, auch Erzählende Grabsteine, stehen auf einem gesonderten Areal auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche in Nebel auf Amrum. Ihre Inschriften berichten vom Leben der Verstorbenen und enthalten teilweise auch Bibelzitate. Sie geben Auskunft über Beruf, Lebensauffassung, Rang und Familie der Bestatteten. Bekanntester Grabstein ist der des Seefahrers Hark Olufs. Die 152 Steine stehen unter Denkmalschutz. Sie stammen aus den Jahren 1678 bis 1858 und bestehen überwiegend aus Sandstein. Gefertigt wurden sie fast ausnahmslos von einheimischen Steinmetzen. Die Schrift auf den Steinen ist meist eingemeißelt, vereinzelt aber auch vorstehend. Viele Grabsteine sind mit Schiffen verziert. Die Darstellung von Schiffen bedeutet nicht zwingend, dass der Verstorbene ein Seefahrer war, sondern sie stehen vielmehr als Symbol für den Lauf des Lebens. Etliche der gezeigten Schiffe sind abgetakelt, teilweise sogar im Hafen festgezurrt. Sie stehen für das Ende der Lebensfahrt.

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Schiffe als Verzierungen auf den Sprechenden Grabsteinen auf dem Friedhof der St. Clemens-Kirche

Der Grabstein von Hark Olufs gehört als sogenannter sprechender Stein zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern auf Amrum. Er enthält eine lange biographische Inschrift. Auf der Vorderseite ist oben eine Krone in den Stein gemeißelt, hinter ihr kreuzen sich von rechts ein Köcher mit Pfeilen und darunter eine Fahne, von links ein Schwert, darunter Bogen und Trompete. Um den oberen Rand steht auf einem Spruchband: "Hier liegt der grosse Kriegesheld, ruht sanft auf Amrom Christenfeld." Darunter steht sein ganzer Lebenslauf: "Als seeliger Harck Olufs, so daselbst gebohren auf Amrum Anno 1708 den 19. Julii. Bald darauf in sein jungen Jahren von den türckischen Seeräubern zu Algier ist er A[nn]o 1724 d[en] 24. Martii gefangen genommen worden. In solcher Gefangenschaft aber hat er dem türkischen Bey zu Constantin als Casnadaje 11 und ein virtel Jahr gedinet, bis ihm endlich dieser Bey A[nn]o 1735 d[en] 31. October aus Gewogenheit zu ihm seine Freyheit geschencket, da er denn das folgende Jahr darauf als A[nn]o 1736 d[en] 25. April glücklich wiederum alhier auff seinem Vaterland angelanget ist, und sich also A[nn]o 1737 in dem Stande der heiligen Ehe begeben mit Antje Harken, so nun sich nebst 5 Kindern in den betrübten Wittwestande befindet. In solcher Ehe haben sie aber einen Sohn und 4 Töchtern gezeugt. So mit ihr alle den Tod ihres Vaters fühlen müssen, da er gestorben ist A[nn]o 1754 d[en] 13. October, und sein Leben gebracht auf 46 Jahr und 13 Wochen."

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Der Sprechende Grabstein von Hark Olufs auf dem Friedhof der St. Clemens-Kirche

Die Holländerwindmühle erinnert an den Seefahrer und späteren Müller Erk Knudten (1733–1801). Die Inschrift des Grabsteines von Erk Knudten auf dem Friedhof an der Nebeler St.-Clemens-Kirche gibt folgende Auskunft: "An diesem Monument ruhen die Gebein von das selige Ehepaar und Eltern Erk Knudten und Inge Erken aus Nebel. Der Vater, gewesener Müller, war in seinen jüngeren Jahren ein Seemann und hat die 3 letzten derselben als Schiffer gefahren. Ao 1771 ließ er eine Graupen Mühle bauen, welche er 21 Jahre als Müller vorgestanden. Er und seine getreue Gattin lebten miteinander verehelicht 46 Jahre und zeugten 11 Kinder. Ao 1801 ist der Vater im 67. und die Mutter 1824 im 92. Jahre ihres Alters selig entschlafen".

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Der Sprechende Grabstein des Erk Knudten auf dem Friedhof der St. Clemens-Kirche

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Stand der Bearbeitung: 20. Oktober 2018